Junge Schmerzgesellschaft der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.


Journal Club
des Arbeitskreises Junge Schmerzgesellschaft
der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. 

Seit Herbst 2020 existiert der digitale Journal Club des AK "Junge Schmerzgesellschaft" der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. zum Thema Schmerz. Dieser findet jeweils online in der Zeit 19:00-20:00 Uhr statt und alle Interessierten können nach einer Anmeldung daran teilnehmen. Die behandelten Themen zeigen die Interdisziplinarität und Vielfalt der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. auf.

Bei Rückfragen stehen wir selbstverständlich jederzeit unter
info.junge@schmerzgesellschaft.de oder journalclub.junge@schmerzgesellschaft.de zur Verfügung

📆 Der Arbeitskreis der Jungen Schmerzgesellschaft lädt am Dienstag, den 18.08.2026 um 19 Uhr zum Journal Club ein.

📍Thema: Relative Unterschiede der Domänen Gehirn, Sensorik, Psyche, Motorik und Gewebe bei muskuloskelettalen Schmerzerkrankungen: systematische Übersichtsarbeit und multivariate Metaanalysen.
Englischer Originaltitel: Relative differences of brain, sensory, psychological, motor, and tissue domains across musculoskeletal pain conditions: systematic review and multivariate meta-analyses

Unser Referentin, Rebekka Döding, M.Sc., ist Physiotherapeutin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Bochum sowie Doktorandin an der Deutschen Sporthochschule Köln. Nach ihrem Masterstudium in Musculoskeletal Physiotherapy Science an der VU University Amsterdam untersucht sie im Rahmen ihres Promotionsstudiums, warum Schmerzen chronisch werden und wie verschiedene, insbesondere biologische, psychische und soziale Faktoren bei muskuloskelettalen Beschwerden zusammenwirken. Mithilfe netzwerkbasierter Ansätze analysiert sie zentrale Einflussfaktoren unterschiedlicher Schmerzzustände, bewertet deren relative Bedeutung und identifiziert klinisch relevante Subgruppen, um daraus gezielte und personalisierte Behandlungsstrategien abzuleiten. Neben ihrer Forschung ist sie in der Lehre tätig und an Projekten zur evidenzbasierten Physiotherapie beteiligt.

📚 Muskuloskelettale Schmerzen gehen mit Veränderungen in den Bereichen Gehirn, Sensorik, Psyche, Motorik und Gewebe einher, doch das relative Ausmaß dieser Unterschiede über die einzelnen Domänen und Diagnosen hinweg bleibt unklar. Wir haben die Evidenz zusammengeführt, die Personen mit Fibromyalgie, Kniegelenksarthrose, Rückenschmerzen (unterer Rücken) und Nackenschmerzen mit schmerzfreien Kontrollpersonen vergleicht, und untersucht, ob sich die domänenübergreifenden Muster nach Diagnose unterscheiden. MEDLINE, EMBASE, PsycINFO, CINAHL und SPORTDiscus wurden von Beginn an bis Juni 2025 durchsucht, ergänzt durch Studienregister und Literaturverzeichnisse. Eingeschlossen wurden Beobachtungsstudien und randomisierte Studien, die Ausgangsdaten (Baseline-Daten) beisteuerten und Erwachsene mit Fibromyalgie, Kniegelenksarthrose, Rückenschmerzen des unteren Rückens oder Nackenschmerzen mit schmerzfreien Kontrollpersonen verglichen. Standardisierte Mittelwertdifferenzen (Hedges' g) wurden mithilfe von Random-Effects-Modellen mit robuster Varianzschätzung gepoolt. Multivariate Modelle schätzten die Effekte auf Domänenebene gemeinsam, wobei die Abhängigkeit innerhalb der Studien berücksichtigt wurde. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz wurde mittels GRADE bewertet. Über 118 Studien hinweg (N = 11.822) zeigten psychische (g = 1,08; 95%-KI 0,94–1,22; Evidenz mit moderater Vertrauenswürdigkeit) und sensorische Messgrößen (g = 0,85; 95%-KI 0,61–1,08; Evidenz mit moderater Vertrauenswürdigkeit) größere Fall-Kontroll-Unterschiede als motorische (g = 0,66; 95%-KI 0,51–0,82; Evidenz mit sehr geringer Vertrauenswürdigkeit), zerebrale (g = 0,59; 95%-KI 0,39–0,78; Evidenz mit geringer Vertrauenswürdigkeit) und Gewebe-Messgrößen (g = 0,30; 95%-KI 0,05–0,55; Evidenz mit sehr geringer Vertrauenswürdigkeit). Die Muster der Effekte unterschieden sich zwischen den diagnostischen Kategorien, wobei die Fibromyalgie über die Domänen hinweg größere Unterschiede aufwies als die übrigen Erkrankungen.

Perspektive: Diese Übersichtsarbeit bietet einen integrierten Überblick über Evidenz, die häufig auf einzelne Domänen oder Diagnosen beschränkt war. Die Betrachtung von Befunden über mehrere Erhebungsdomänen hinweg könnte dazu beitragen, muskuloskelettale Schmerzzustände zu unterscheiden und künftige domänenübergreifende Forschung sowie zielgerichtetere Behandlungsansätze zu leiten.

Registrierung: Diese Übersichtsarbeit wurde prospektiv im Open Science Framework registriert (https://osf.io/dy9ek).

Zoom-Link zur Teilnahme: https://us06web.zoom.us/launch/jc/85306028695

Meeting-ID: 853 0602 8695
Kenncode: 061879

Journal Club des AK "Junge Schmerzgesellschaft" der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.